Anfang ist schwer - Bogensport

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Anfang ist schwer

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Bogensport aus der Sicht eines an der Bewegung Interessierten (2009)

Sport bestand aus meiner Erfahrung heraus darin, dass Bewegungsabläufe (Techniken) an die sich ständig ändernde jeweilige Situation angepasst durchgeführt wurden. Der Gegner versuchte dabei, meine Aktion zu behindern, indem er entweder einfach physisch im Weg stand oder obendrein durch geeignete Abwehrtechniken, gegebenenfalls durch Foulspiel, meinen Weg zum Erfolg zu unterbrechen suchte. Der Schnellere, Kräftigere, Ausdauerndere, mental Stärkere,
technisch Versiertere konnte dabei normalerweise als Gewinner die Sportstätte verlassen.

Beim Bogensport ist alles anders. Es gibt keinen wirklichen Gegner- du kämpfst mit deinen eigenen Unzulänglichkeiten, ein Gegner ist gar nicht nötig.
Bei anderen Sportarten steht die Bewegung im Mittelpunkt. Das ist beim Bogensport völlig anders: je weniger du dich bewegst, umso erfolgreicher kannst du sein. "Mit sehr viel Kraft sich minimal zu bewegen" ist die Hauptaufgabe.
Vor dem "sich nicht bewegen" gibt es noch einmal eine innere Versammlung/Konzentration bei völliger Ruhe. Erstaunlich ist, wie viele Fehler man bei so wenig Bewegung machen kann.
Allein beim Zusammenbau des Bogens habe ich kaum etwas ausgelassen: Wurfarme oben und unten sowie die Krümmungsrichtung vertauscht und nicht korrekt arretiert; bevor die Sehne die Wurfarme fixiert hatte, fielen sie natürlich wieder ab. Das Visier zu locker, den Stabi in falscher Bohrung und Richtung angebracht. Das alles natürlich unter Beobachtung eines aufmerksamen Jugendlichen, der mich in netter Form auf diese Unzulänglichkeiten hinwies.
Irgendetwas rappelte dann beim Schuss- schon wieder der Stabi oder das Visier (und das Selbstbewusstsein).

Von Anbeginn hat mich irritiert, das das Visierkorn sich grundsätzlich eher kreisförmig um das goldene Fleckchen auf der Zielscheibe bewegte. Eigentlich ist das gar nicht so entscheidend, denn dieser goldene Spot war ohnehin nur unscharf zu erkennen. Und dann gibt es noch den Begriff des "Sehnenschattens". Zu Anfang meiner Bogensport-Karriere sollte man noch gar nicht so sehr darauf achten (Sinngemäß: immer schauen, dass die Sehne nicht stört). Das klappte auch ganz gut, aber das Gold blieb weitgehend unbeschädigt.
Mit höherem Anspruch und Übungsdauer (besonders nach meinem ersten Turnier) wurde nun auch dieses Element fast immer berücksichtigt, ebenso das Anvisieren immer mit dem gleichen Auge.
Bei meinem Rundrücken blieben noch Unsicherheiten bei der Bogenarm-Schulter-Linie. Eigentlich sollte es schon längst "Klick" gemacht haben: der Zugarm zerrt verzweifelt um weitere Millimeter Auslängung und der Bogenarm wurde immer weiter nach vorn geschoben. Das müsste etwa nach der 20. Passe am Ende des Trainings passiert sein.
Ich nutze natürlich auch weitere Fehlermöglichkeiten: das Kinn weicht vor der herannahenden Sehne zurück, der Kopf hat bei der
Drehung eine Sperre, die verhindert, dass die Nase ihren Sehnenkontakt erhält. Auch kippt der Bogen nach vollzogenem Atemstillstand und Fingerlösung nicht befreit nach vorne- wahrscheinlich ein Reflex aus der Nachkriegszeit, als man sich nur ungern von Dingen trennte, die man einmal besaß.
In meinem fortgeschrittenen Alter wird es zunehmend schwieriger, die Übersicht über die Fehler zu behalten. Durch natürliche Vergesslichkeit habe ich die Illusion, dass es immer weniger werden. Aber so bin ich nicht auf Ausreden wie Seitenwind angewiesen.
Ein bisschen fühle ich mich unter Zeitdruck: ist der nächst stärkere Wurfarm noch sinnvoll oder soll ich eher maßvoll das Niveau halten und bei 30m den Zufriedenen spielen? Dann brauchte ich auch nicht so viele Pfeile nachkaufen.

Günter Weyer (Anfang April 09)

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