Mongolei - Bogensport

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2008 - Bogenschießen in der Mongolei
Anlässlich meines Besuches in der Mongolei hatte ich die Gelegenheit das traditionelle Bogenschießen kennen zu lernen. Im westlichsten Teil der Mongolei, genauer im Bezirk Altai am Nordrand der Wüste Gobi, unmittelbar an der Grenze zu China, fand ich beim Stamm der Kasachen-Mongolen eine kleine Gruppe von Schützen, die noch die traditionelle Art des Mongolischen Bogenschießens ausübten. Da diese leider nicht der englischen Sprache mächtig waren und ich natürlich nicht ihrer Stammessprache, gelang eine Kommunikation nur durch Hände und Füße! Letztlich wurde mir dann erlaubt an ihren Vorbereitungen zum anstehenden Nadaam Fest zuzusehen und sie fotografisch festzuhalten. Letztlich war wohl die von mir getragene SSK-Weste der Eintritt hierfür. Hier nun mein Bericht:
Das Bogenschießen in der Mongolei unterscheidet sich wesentlich von dem Unseren. Entstanden ist es aus der Erfordernis der Jagd. Da es in der Westmongolei keine Bäume gibt (wirklich keinen einzigen!!!) ist die Auswahl an jagdbarem Wild auf Murmeltiere, Flughühner und Tauben begrenzt. Pfeile, wie die bei uns verwendeten, könnten bei einem nicht tödlichen Treffer zum Verlust des Pfeils führen und das angeschossene Wild im unzugänglichen Gelände verenden lassen. Aus diesem Grund verwenden die Mongolen Pfeile mit etwa hühnereigroßen stumpfen Spitzen. Diese sollen das Wild "erschlagen". Trifft der Pfeil nicht tödlich, prallt er ab und kann aufgelesen werden. Das Wild kommt mit einem "blauen Fleck" davon !
Zum Abschuss werden in diesem Bereich der Mongolei nicht die bekannten kleinen Reiterbögen, sondern etwas größere Recurvebogen verwendet.

Bei einem Auszugstest schätzte ich das Zuggewicht auf etwa 50-60 Pfund. Die Eigenarten beim Turnierschießen liegen nun im zu treffenden Ziel. Es wird nicht auf Scheiben geschossen, sondern auf eine Reihe von Lehmkugeln, die am Boden liegen. Durchmesser ca. 10 cm. Diese sollen die zu treffenden Bodentiere (Hühner, Tauben, Murmeltiere) simulieren. Etwa 2,5 Meter vor und hinter der Lehmkugelreihe werden kleine Wälle, etwa 10 - 15 cm hoch, aus Boden aufgeschichtet.
Aus etwa 30 Meter schießen nun zwei Schützen im Wechsel je einen Pfeil auf die Lehmkugeln ab.
Trifft der Pfeil vor dem ersten Wall auf dem Boden auf, bleibt er an diesem hängen und gilt nicht als Treffer. Kommt der Pfeil zwischen dem ersten Wall und den Kugeln auf, rutscht er über den Boden trifft eine der Kugeln und bleibt am hinteren Lehmwall hängen. Ein solcher Pfeil gilt als Treffer.

Unmittelbar neben (!) den Kugeln stehen zwei Kampfrichter, die die Treffer an einen dritten Kampfrichter, der neben den Schützen steht, durch Handzeichen melden. Nach je 5 Schuss, immer im Wechsel der beiden Schützen, ist der erste Durchgang beendet und die zweite Paarung tritt an. Geschossen wird im KO-System. Der Sieger jeder Paarung tritt gegen den Sieger einer anderen Paarung an, dies entspricht in etwa unserem Finalschießen ab Landesebene. In welcher Zusammensetzung die Paare gegeneinander antreten konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Interessant ist die Unbekümmertheit mit welcher die Zuschauer als auch die Kampfrichter den Wettkampf verfolgen. Diese halten sich teilweise weniger als einen Meter neben den einschlagenden Pfeilen auf.

Nachdem ich am Vormittag das Einschießen beobachten konnte, traten die Schützen am späten Nachmittag zu ihrem Wettbewerb an. Waren die Teilnehmer am Vormittag noch in "Freizeitkleidung", so traten sie zum Turnier in prächtiger traditioneller Kleidung an.
Die Trefferquote war erstaunlich hoch, etwa 75 % aller Schüsse führten zu einer Wertung. Für mich als "Hightech-Bogenschütze" war dieser Besuch bei den Schützen von Bulgan ein besonderes Erlebnis und hat diese Reise zu einem der letzten großen Nomadenvölker unvergesslich gemacht.

Jörg Zborowska

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