Worldcup Marrakech - Bogensport

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Worldcup Marrakech

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Bogenschützen des SSK Kerpen in Marrakech
Archery Indoor Worldcup (Stage 1) in Marrakech vom 7. – 9. November 2014


Marrakech, die "Perle des Südens", in einer Ebene nördlich des Hohen Atlas in Marokko liegend, lockte auch dieses Jahr wieder mit einer Etappe des Archery Indoor Worldcups.
60 Pfeile auf 18 Meter und Spots. Die besten 32 der Qualifikationsrunde ermitteln dann im KO-System den Turniersieger. Das Finale wird dann auf marokkanischem Teppich ausgeschossen. Dieser Verlockung konnte Brahim Banna nicht widerstehen.  Die Teilnahme an diesem Turnier verknüpfte er mit einem Urlaub in seiner angestammten Heimat. Angesteckt von Brahims Begeisterung für dieses Turnier entschlossen sich kurzfristig Kerstin und Frank Grimm ebenfalls die Reise nach Marrakech anzutreten, Kerstin ebenfalls als Turnierteilnehmerin, Frank als Fan.

Nach 3 1/2 Stunden Nonstopflug von Düsseldorf nach Marrakech wartet mit fast zwei Stunden Wartezeit an der Grenzkontrolle die erste harte Prüfung auf die Reisenden. Nachdem diese dann gemeistert wurde, konnten im Transportbus des Ausrichters zum Hotel die ersten Eindrücke von der Stadt gesammelt werden. Viel Zeit zum Entspannen im Hotel blieb nicht, da am Nachmittag die Eröffnungsveranstaltung und danach das freie Training angesetzt waren.

Am Veranstaltungsort angekommen erstaunte die afrikanische Kreativität: Die Ausrichtungsstätte  am "Circuit International Moulay El Hassan" war ein aufgebautes Zelt auf einer Automobilrennstrecke!!! Aber schnell war klar, dass es hier an nichts fehlt. Im Gegenteil, das Zelt war riesig, Platz ist für alle und alles mehr als ausreichend vorhanden. Eine riesige Fernsehwand und zwei Fernsehkameras ließen darauf schließen, dass die kommenden Ereignisse in der Halle doch einem breiten Publikum zugängig gemacht werden sollten.

Im freien Training machten sich Brahim und Kerstin dann schießtechnisch mit den Verhältnissen vertraut, bis die Gruppe der Deutschen (drei an der Zahl) zur Bogenkontrolle antreten musste. Bei Kerstin lief alles glatt, nur der Typ mit der Kamera hatte einen schärferen Blick auf sie. Brahim hingegen wurde bei der Bogenkontrolle vom Wettkampfrichter darauf hingewiesen, dass er den Wettkampf am nächsten Tag nicht in der Jeans, die er zum Training an hatte, schießen kann, bzw. disqualifiziert würde, wenn er diese Hose träge. Ohne Argwohn erwiderte Brahim, dass er zum Wettkampf eine andere Hose tragen werde, in Vereinskleidung mit einer weißen Jeans wolle er den Wettkampf bestreiten. Den darauf folgenden Disput in fließendem Arabisch vermag der Schreiber dieser Zeilen nicht wiederzugeben. Jedenfalls ergab es sich, dass Brahim noch am Abend im Souk, einem großen Bazar von Marrakech sicherheitshalber eine neue Hose erhandelte und diese am Vormittag vor seiner Qualifikationsrunde noch umnähen lies. Nebenbei hatte er damit die internationalen Auswärtstrikots des SSK Kerpen-Team Bogensport kreiert.

Am Samstag mussten zuerst die Damen um 08.30 Uhr in der Qualifikation ran.
Das "Warmup" lief für Kerstin durchwachsen, aber Sorgen musste man sich eigentlich nicht machen. Bis zu dem Zeitpunkt wo die Uhr 09.00 Uhr "schlug" und die Qualifikationsrunde startete. Kerstin stand an der Schießlinie, Knie und Arme butterweich, das Lampenfieber hatte erbarmungslos zugeschlagen. "Irgendwie die drei Pfeile raus, alle drei auf die Auflage und hoffen, dass das Lampenfieber vergeht." Und dann turnte ihr auch noch der Kameramann im Nacken herum.  Die nachfolgenden 3-4 Passen übergehen wir, bis es dann mit der Trefferlage besser wurde und das Lampenfieber sich ein bisschen legte. Die Ergebnisse wurden an der Scheibe mit Computer direkt erfasst und so erschien auf dem großen Bildschirm nach jeder Passe die aktuelle Rangliste. Kerstin kämpfte tapfer bis zum Ende und konnte mit der letzten Passe noch eine Gegnerin überholen. So erreichte sie Platz 22 und durfte im folgenden KO-Schießen gegen die Schützin auf Platz 11 antreten.

Nach 30 Minuten Pause war es dann soweit: KO-Runde der letzten 32. Gegnerin war Nicky Hunt aus Großbritannien, die durchaus über 540 schießen kann, hatte aber "nur" 522 in der Qualifikation. Bluffen oder dieses leidliche Lampenfieber? Mit 9-29 gingen die ersten beiden Punkte klar an die Engländerin. Im zweiten Set jedoch 26-23 für Kerstin, 2:2, Hoffnung kam bei den Fans auf; hatte etwa Yoda seine Macht im Spiel? Set 3 gestaltete sich für die Fans sehr spannend, es könnte für einen weiteren Punkt reichen, unglücklicherweise waren die Pfeile von Kerstin tief, die der Engländerin höher: 26-29; 2:4, Set 4 läuft dann nicht mehr so gut: 23:27 und mit einem ehrenvollen 2:6 verabschiedete sich Kerstin aus dem Turnier.

Um 13:30 Uhr war dann Brahim an der Reihe zu versuchen das Herrenfeld aufzumischen und in die KO-Runde einzuziehen. Nach einem guten "Warmup" folgte zu Beginn der Qualifikationsrunde Pfeil um Pfeil ins Gold. Inzwischen war die Realtime Berichterstattung auf dem Großbildschirm allerdings ausgefallen, so dass niemand wusste, wo Brahim mit seiner Leistung aktuell stand. Die Spannung stieg, das sollte doch reichen. Ende der ersten Hälfte erfolgte dann eine mündliche Verkündung des aktuellen Zwischenstandes: Platz 32 liegt bei 275 Punkten, Brahim hatte 272 und lag zur Halbzeit nahe dran: Auf Platz 35!! Eine große Überraschung lag in der Luft. Die Fans fieberten bei jedem Pfeil mit, aber in der zweiten Hälfte wollte es einfach nicht mehr so gut wie in der Ersten funktionieren.
Und dann noch ein blödes Miss. 249 und gesamt 521 Punkte bedeuteten Platz 42 bei 70 Teilnehmern.
Beide Schützen litten dann noch eine gewisse Zeit unter einer gedrückten Stimmung. Es wäre tatsächlich mehr drinnen gewesen, aber lassen wir mal die Teppiche in Marokko. Die Atmosphäre in einem internationalen Turnier ist nun mal doch etwas besonders und kreiert neue zuvor nicht gekannte Belastungen, an die man sich erst gewöhnen muss. Tolle Leistung, besonderer Mut. Bravo und schließlich gab es ja für beide Schützen jeweils einen Punkt in der Indoor Worldcup Rangliste.
Bleibt noch zu erwähnen, dass das Kerpener Maskottchen Yoda zu vielen Fotoshootings antreten musste und während des Turniers drei Anstecker (Lanzarote, Marrakech, World Archery) gesammelt hat.
Besonders beeindruckend war, dass die Finals auf echtem Wohnzimmerteppich geschossen wurden, was für den einen oder anderen sicherlich ein Ansporn ist, nochmals nach Marrakech zum Turnier zu kommen.

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